Lostplace Harz: Heeresmunitionsanstalt Wolkramshausen

Lostplace Harz: Heeresmunitionsanstalt Wolkramshausen

Geschichte erleben: Die ehemalige Heeresmunitionsanstalt Wolkramshausen

Zwischen Kleinfurra und Wolkramshausen, südlich von Nordhausern, befand sich die ehemalige Kali-Schachtanlage Wolkramshausen. Das Areal, teilweise schon mit Wildwuchs und Unkraut überwuchert, erinnert kaum noch an den Glanz vergangener Zeiten. Viele Gebäude sind dem Verfall preisgegeben oder sind schon abgerissen. Dennoch, wenn man genauer hinschaut, findet man auch heute noch Überbleibsel und Reste des Kaliwerkes sowie der späteren Heeresmunitionsanstalt des Heers. Das Gelände und das weitere Umfeld sind auch heute noch als Lostplace eine Erkundung wert. Gehen Sie auf Entdeckungsreise und erleben eine Zeitreise, auch wenn von den Schachtanlagen selbst ist nicht mehr viel erhalten geblieben ist.

Größte KCL-Fabrik des Südharzes

Das Kaliwerk lag an der Straße von Kleinfurra nach Straußberg, unmittelbar am Waldrand der Hainleite. 1902 erteilte der Fürst von Schwarzburg-Sondershausen die Genehmigung 60 m vor der Landesgrenze, in der schwarzburger – rudolstädter Exklave, den Schacht „Immenrode“ zu errichten. Die Teufarbeiten für den Schacht begannen im September 1905. Drei Jahre später waren die Tagesanlagen errichtet. Die Kaliförderung lief im August 1908 an. 1908 erfolgte der Durchschlag zwischen den Schächten „Ludwigshall“ und „Immenrode“, die nunmehr durchgängig miteinander verbunden waren. Im selben Jahr nahm das Werk über Tage die 1,6 km lange Drahtseilbahn in Betrieb, die das Kali des Schachtes „Immenrode“ zur chemischen Fabrik beförderte. Die KCL-Fabrik Wolkramshausen war die größte des Südharzes. Nach Ende des Ersten Weltkrieges ging die Kali-Förderung allerdings rapide zurück, die dann 1925 zum vollständigen Erliegen kam.

Die Wehrmacht zeigt Interesse am Schacht Ludwigshall

Bereits im Sommer 1935 zeigte die Wehrmacht Interesse an der stillgelegten Schachtanlage Ludwigshall bei Wolkramshausen, südlich von Nordhausen gelegen, um sie vergleichbar der Musteranlage im nahegelegenen Bernterode als unterirdisches Munitionsdepot zu nutzen. Erste Besichtigungen der oberirdischen Gebäude fanden am 26. August 1935 und 12. September 1935 statt. Dabei zeigten sich am Schachtdeckel keinerlei Mängel. Um die Schachtanlage Ludwigshall auf ihre Tauglichkeit hin überprüfen zu können, musste sie „zunächst zur Inaugenscheinnahme der vorhandenen Grubenbaue wieder fahrbar gemacht werden“. Am 15. Juli 1936 genehmigte das Thüringische Bergamt in Weimar den dafür erforderlichen Betriebsplan. Ende des Monats begannen die Instandsetzungsarbeiten. Zeitgleich war der Leiter der Heeresmunitionsanstalt Obergebra beauftragt, Ludwigshall zu befahren. Aus seiner Sicht war der Schacht als Munitionsdepot ungeeignet.

Dennoch trafen sich nur wenige Tage später, am 30. Juli 1936, Vertreter der Wintershall AG als Eigentümerin der Anlage, der Wehrmacht, der Wehrkreisverwaltung IX und der Heeres-Feldzeugmeisterei vor Ort. Sie erörterten, ob das Werk zur Einlagerung von Munition geeignet ist und welche Maßnahmen zu ergreifen sind, „um die einzulagernden unscharfen Teile unterzubringen und eine Munitionsfertigungsstelle zu schaffen“. Diese Kommission kam zum Ergebnis, insgesamt 5.000 t Munition unter Tage einlagern zu können. So sollten auf der 613-m-Sohle 12 Räume mit einem Fassungsvolumen von 200 t pro Kammer, auf der 636-m-Sohle und 660-m-Sohle jeweils weitere 12 Räume bzw. 14 Räume mit einer Aufnahmekapazität von je 100 t geschaffen werden. Die Räume auf der 660-m-Sohle waren erst noch zu schaffen, hatten aber große Bedeutung, weil die Sohle in Verbindung zum Zweitschacht Immenrode stand.

Weiter legte die Kommission fest, dass Übertage die vorhandenen Gebäude mit rund 11.000 m2 für Lagerzwecke herzurichten sind. Die fehlenden 9.000 m² sollten durch den Bau von zwei Lagerhäusern in der Südwestecke des Schachtgeländes geschaffen werden. Als Munitionsfertigungsgebiet (F-Gebiet) bestimmte der Ausschuss ein der Kirche gehörendes Areal am Steinweg Wernrode – Kleinfurra. Die Wintershall AG erklärte sich selbst zwar nicht zur Ausführung der Arbeiten, jedoch dazu bereit, die Vergabe der Arbeiten und „die fachmännische Beratung des Heeresbauamtes während der Bautätigkeit zu übernehmen“. Als Entschädigung schlug das Heer der Wintershall AG eine Entschädigung von 3,25 % der betreffenden Bausumme vor, stellte dies im Oktober 1936 aber zunächst in Zweifel.

Die Übernahme durch die Heeresmunitionsanstalt

Am 1. August 1936 überließ die Wintershall AG dem Reichswehrfiskus das „gesamte eingefriedete Gelände des Werksplatzes der Schachtanlage Ludwigshall und der ehemaligen Chemische Fabriken Wolkramshausen, den Schacht Ludwigshall und die auf dem Werksplatz befindlichen Gebäude“ unentgeltlich zur Nutzung. Vermutlich begab sich das Heer daran, die untertätigen Grubenbaue so schnell wie möglich, zumindest in Teilbereichen, für die Lagerung von Munition herzurichten. Schenkt man einem Schreiben des Thüringischen Wirtschaftsministeriums vom 9. März 1937 Glauben, so waren zu diesem Zeitpunkt bereits Sprengstoffe im Schacht Ludwigshall eingelagert. Dies korrespondiert mit einer Aufstellung des Heeres vom 25. Dezember 1938 über den Bestand an Munition für den Mobil-, sprich den Kriegsfall. Diese detaillierten Listen belegen, in welchem Umfang das Heer entgegen der Versailler Bestimmungen im Verborgenen Munition in großen Mengen horten ließ. So war die Muna Wolkramshausen bereits zu diesem frühen Zeitpunkt in der Lage, innerhalb von zwölf Stunden mindestens drei bis vier komplett beladene Munitionszüge zu stellen.

Am 10. Februar 1937 vergab das OKH die bergmännischen Arbeiten in den Bauen der 660-, 636-, 619- und 606-m-Sohle. Außerdem schrieb das Heer die Aufräum- und Instandsetzungsarbeiten des Schachtsumpfs sowie die Errichtung der vollständigen Schachtförderung im Schacht Ludwigshall aus. Allein die Kosten für diese Bauphase beliefen sich auf 422.724 RM. Die untertägigen Arbeiten standen Anfang Dezember 1939 kurz vor dem Abschluss. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Heersmunitionsanstalt die 613-m-Sohle komplett und die 636-m-Sohle bis auf Kleinigkeiten zur Nutzung übernommen. Das Doppelgleis vom Füllort bis zu den Arbeitsräumen befand sich in Betrieb, so dass die Herstellung von Munition ungehindert möglich war. Die Arbeiten auf der 660-m-Sohle waren hingegen noch nicht abgeschlossen. Es waren erst 66 m Doppelgleis verlegt. Außerdem musste die Sohle in der Weststrecke nachgerissen werden. Die Bauleitung ging davon aus, die Arbeiten Mitte März beenden zu können, so dass die Muna im April 1940 die Arbeit aufnehmen könne. Der Folgebericht vom 21. Dezember 1939 belegt, dass die Vortriebsarbeiten auf der 660-m-Sohle zügig vorangeschritten waren.

Bis Januar 1940 investierte das Heer zehn Mio. RM in den Ausbau seiner Heeresmunitionsanstalt in Wolkramshausen, doch war der Bedarf an Munitionslagerraum damit noch immer nicht gestillt. Trotz der hohen Investitionen kam beim Heer der Wunsch auf, auch den benachbarten Schacht Immenrode in Beschlag zu nehmen und für militärische Zwecke auszubauen. Anlässlich eines Ortstermins am 20. März 1941 fiel die endgültige Entscheidung, die Schachtanlage Immenrode einzubeziehen. Obwohl die Wehrkreisverwaltung IX den Vertrag mit den bauausführenden Firmen noch im April 1941 genehmigte, scheinen die Arbeiten nur schleppend vorangekommen zu sein. Am 20. Januar 1944 teilte die Firma Gebhardt & König dem Arbeitsamt Nordhausen mit, dass „zwecks dringender Einlagerung von Heeresgut im Grubenfeld des Schachtes Immenrode eine Anzahl von Räumen unter Tage beschleunigt“ herzurichten seien. Um die Arbeiten schnellstens ausführen zu können, reiche die vorhandene Belegschaft nicht aus. Gebhardt & König bat um die beschleunigte Zuweisung von weiteren 20 Kriegsgefangenen oder Zivilausländern, die in vorhandenen Räumen auf der Schachtanlage Immenrode Unterkunft finden sollten.

Das Munitions-Fertigungsgebiet (F-Gebiet) der Heeresmunitionsanstalt in Wernrode

Im Spätherbst 1939, nach zweijähriger Bauzeit, nahm die HMA Wolkramshausen das zugehörige Munitions-Fertigungsgebiet, an der Straße von Kleinfurra nach Wernrode gelegen, in Betrieb. Um aus der Luft nicht den Eindruck einer Munitionsfabrik zu erwecken, waren die Gebäude aus Tarnungsgründen als Dorf angelegt. Um diesen Eindruck zu verstärken, war das Wirtschaftsgebäude des Fertigungsgebietes mit einem Turm versehen, der einen Kirchturm nachbilden sollte. Bei Betreten des Geländes mussten die Arbeitskräfte zunächst das Pförtnergebäude passieren und sich danach im benachbarten Sozialgebäude umkleiden. Danach ging es an die jeweiligen Arbeitsplätze in den drei Munitionsarbeitsräumen, der Zünderabteilung oder den Pulverarbeitsraum. Dort wurden Geschosse schussbereit gemacht, von Fremdfirmen angelieferte Munitionsteile zusammengesetzt, Pulverarbeiten ausgeführt und Treib- sowie Zusatzladungen gefertigt. Am 20. August 1940 kam es beim Einsetzen eines Zünders in eine Granate zu einer Explosion, bei der eine Arbeiterin einen Schädelbruch erlitt. Wenige Stunden später erlag sie im Nordhäuser Krankenhaus ihren schweren Verletzungen. Ein Teil der damaligen Gebäudebestandes ist heute noch vorhanden und wird von Firmen, vorwiegend als Lagerraum, genutzt.

Im Fertigungsgebiet waren vorwiegend deutsche Frauen aus der näheren Umgebung und bis zu 1.000 ausländische Arbeitskräfte, die in drei Barackenlagern der näheren Umgebung untergebracht waren, tätig. Eines dieser Fremdarbeiterlager befand sich direkt an der Landstraße von Wolkramshausen nach Kleinfurra. Das aus fünf Unterkunftsbaracken und einem Speisesaal bestehende Lager diente zunächst dem Reichsarbeitsdienst, deren Insassen bei der Regulierung der Wipper und möglicherweise auch beim Bau der Heeresmunitionsanstalt eingesetzt waren. Belegt ist, dass die Heeresmunitionsanstalt ab 1943 ihre ausländischen “Munitionsarbeiter” in einem mit Stacheldraht umzäunten ehemaligen RAD-Lager unterbrachte.

Ausländerlager der Heeresmuna Wolkramshausen

Im nahegelegenen Wernrode unterhielt die Heeresmuna ein weiteres Zwangsarbeiterlager, das mit Franzosen und Belgiern sowie russischen Kriegsgefangenen belegt war. Die Russen waren in einem mit Stacheldraht umzäunten und abgegrenzten Bereich des Lagers, zu dem vier Unterkunfts-, eine Wasch- und eine Küchenbaracke gehörten, untergebracht. Die Muna-Arbeiter  führten sie unter strengster Bewachung zur Arbeit auf das Gelände des Fertigungsgebietes und wieder zurück. Zwangsarbeiter anderer Nationalität hingegen konnten das Lager jederzeit verlassen und arbeiteten teils im Dorf, um sich so Extrarationen an Lebensmitteln zu verdienen.

Ab Herbst 1944 waren im Lager Wernrode auch Zwangsarbeiterinnen interniert, die Sträflingsbekleidung und primitive Holzschuhe trugen. Unter strengster Bewachung und in Begleitung von Hunden wurden sie täglich in zwei Kolonnen vom Lager zum Fertigungsgebiet gebracht. Weitere französische Zwangsarbeiter bewohnten Baracken direkt auf dem Gelände des Fertigungsgebietes. Ab März 1943 beschäftigte die Heeresmunitionsanstalt zusätzlich bis zu hundert deutsche weibliche Justizhäftlinge, die im Nordhäuser Gerichtsgefängnis untergebracht waren und aus verschiedenen Haftanstalten in der Provinz Sachsen stammten. Die Häftlinge dieser „Klipperkolonne“ ließ die Muna täglich mit ihren Aufseherinnen auf Lastwagen nach Wolkramshausen zur Arbeit bringen. Eine Aufstellung der sich im Mai 1945 im Kreisgebiet von Nordhausen noch aufhaltenden ehemaligen Zwangsarbeiter weist für das Lager Kleinfurra 400 und für das Lager Wernrode 450 Insassen aus.

Das Sprengstoff-Explosion Ende Juli 1942 fordert 145 Tote

Am 29. Juli 1942 ereignete sich im Schacht Ludwigshall beim Einlagern von Munition ein schwerer Unfall. Um 13.15 Uhr detonierten im Munitionslagerraum 68 auf der 660-m-Sohle  über 5.000 Granaten, gefüllt mit etwa 8,4 Tonnen Sprengstoff. Bis zum 2. August um 3.00 Uhr erschütterten Folgedetonationen das Gelände. Am Unglückstag arbeiteten 211 Personen unter Tage. 145 Personen, darunter 47 Frauen, kamen ums Leben. Die hohe Zahl der Opfer ist darauf zurückzuführen, dass die Wettertüren zwischen der Schachtröhre und dem Unglücksraum „in Atome zertrümmert wurden“. Die giftigen Gase zogen somit nicht, wie vorgesehen, zum ausziehenden Schacht Immenrode ab, sondern stauten sich im Feld Ludwigshall. Die Rettungsarbeiten wurden dadurch erschwert, dass sich der Förderkorb des Schachtes Ludwigshall durch die Wucht der Explosion in der Schachtröhre verkantet hatte und nicht genutzt werden konnte. Ein Rettungsversuch vom 1,5 km entfernten Schacht Immenrode blieb aufgrund der geringen Einsatzreichweite der vorhandenen Atemgeräte ohne Erfolg. Etwa eine Stunde nach der Explosion konnte durch zwei Ventilatoren die normale Wetterführung der Schächte wieder hergestellt werden; der eine stand in Immenrode und saugte die Rauchgase ab, der andere in Ludwigshall und drückte Frischluft in den Schacht. So konnten die Rettungsmannschaften die Fahrten des Schachtes Ludwigshall nutzen, um die Überlebenden zu bergen.

Im Bericht an das OKH vom 15. August 1942 heißt es über das Ausmaß der Katastrophe: „Der Schachtfüllort bot ein Bild fürchterlicher Zerstörung, desgleichen auch die Förderstrecke auf der 660-m-Sohle. Von Schienen war teilweise überhaupt nichts mehr zu sehen. Ein Förderwagen war z. B. mit einer derartigen Wucht an den Stoß geworfen, dass er reliefartig an ihn angeklebt war“. Bis auf den Unglücksraum blieben jedoch alle anderen Munitionslagerräume intakt. So auch der direkte Nachbarraum 67, der mit Kartuschen für leichte Feldhaubitzen belegt war. Bei einer späteren Besichtigung dieses Raumes zeigte sich, dass die erste Detonationswelle zahlreiche Munitionsstapel umgerissen hatte. Dabei wurden mehrere Packgefäße zertrümmert und die herausgefallenen Kartuschen verbeult. Einige von ihnen wiesen sogar erhebliche Brandspuren auf. Die Kommission, die den Vorfall im Auftrag des OKH untersuchte, fand keine Anhaltspunkte „für Leichtsinn, Sabotage oder Feindeinwirkung“. Als Ursache vermutete man einen defekten Zünder. Trotz des Unglücks ging der Betrieb der Heeresmunitionsanstalt weiter. Gegen Kriegsende lagerten in den Schächten auch Kunstgegenstände ein. Bei ihrem Einmarsch fanden die Amerikaner Folianten der Bibliothek des ehemaligen Klosters Himmelgarten bei Nordhausen mit wertvollen Wiegendrucken aus dem 15. und 16. Jahrhundert vor.

Demontage der Heeresmunitionsanstalt Wolkramshausen

Im Spätherbst 1945 ordnete die sowjetische Militäradministration die Bergung der noch im Schacht verbliebenen Munitionsbestände an. Deutsche Hilfskräfte transportierten sie mit Pferd und Wagen zu einem Sprengplatz nach Wernrode, um sie dort zu „entsorgen“. Ein Teil wurde auch einfach in Mulden in der Umgebung der Muna abgekippt, etwa im Leimtal bei Wolkramshausen oder in der Großfürscher Kiesgrube. Am 24. Oktober 1945 ereignete sich dabei direkt am Schacht eine Explosion, die schwere Verwüstungen in den umliegenden Ortschaften anrichtete. Ein Polizeibericht vom 25. Oktober 1945 schildert den Hergang des Unglücks: „Vom Bahnhof Kleinfurra zur ehemaligen Heeresmunitionsanstalt verläuft ein Anschlussgleis, auf dem von der sowjetrussischen Besatzungsmacht laufend Munition zur Heeresmunitionsanstalt gebracht wird, um dort entschärft und gesprengt zu werden. Auf der Mitte dieser Strecke ist im freien Gelände neben […] Hülsenmaterial auch Munition abgeladen worden, sowie Pulver in Kartons. Dort spielende Kinder haben sich an diesen Pulverkartons zu schaffen gemacht und das Pulver verstreut. […] Am 24. Oktober 1945 soll kurz nach 15 Uhr ein sowjetrussischer Offizier mit einer brennenden Zigarette in die Nähe des verstreuten Pulvers gekommen sein, so dass das Pulver Feuer fing und langsam abbrannte. […] Ein vorüberfahrender Munitionszug passierte die Stelle, und der Lokführer sah das Pulver brennen. Der Zug konnte noch rechtzeitig vorbeifahren; kurze Zeit später erfolgte eine Explosion“.

Die Entwicklung des Schachtes von 1949 bis heute

Die Kaliindustrie nahm die Produktion im Schacht Ludwigshall nach Kriegsende nicht wieder auf, allerdings war eine dauerhafte Verwahrung des Schachtes zunächst unterblieben. 1954 wurde in 165 m Teufe ein Dichtungselement eingebaut, um das Eindringen von Süßwasser nach Untertage oder das Auspressen von Salzlauge nach Übertage zu verhindern. 1970 wurde der Schacht mit einer Abdeckplatte verschlossen. Ab 1978 sollte das kleine und mit keinem anderen Bergwerk verbundene Grubenfeld zum Druckgasspeicher „Kirchheiligen II“ umgebaut werden. Dazu wurden der Süßwasserpfropfen und alle Schachteinbauten entfernt. 1980 wurde das Projekt gestoppt und der Schacht erneut mit einem Dichtungselement verschlossen. Wegen der fortschreitenden technologischen Entwicklung entsprach die gewählte Verwahrungsvariante nicht mehr den aktuellen Anforderungen.

2011 erhielt die „Arbeitsgemeinschaft Schacht Ludwigshall“, eine Kooperation aus Schachtbau Nordhausen und Bergsicherung Ilfeld, vom Thüringischen Landesbergamt in Vertretung des Freistaates Thüringen den Auftrag zur endgültigen Verwahrung des Schachtes Ludwigshall. Vorab ließ das Land Thüringen den Schacht nochmals öffnen und das Grubengebäude, darunter auch die von der Explosion betroffene Kammer 68, befahren und zu wissenschaftlichen Zwecken fotografisch dokumentieren. Im Oktober 2012 begann die Verfüllung der Schachtröhre. Die Arbeiten waren 2013 mit dem Setzen des Betondeckels mit einer darin eingelassenen Schachttafel, auf der die Koordinaten, die Teufe, der Durchmesser und die Betriebszeit des Schachtes dauerhaft fixiert sind, abgeschlossen. Auch der Schacht Immenrode wurde im Jahr 2011 durch Schachtbau Nordhausen verfüllt.

Quelle: Redaktion, Frank Baranowski
Bildquelle: Frank Baranowski, Schachtbau Nordhausen (Aufnahmen 2013); alle Bilder sind Urheberrechtlich geschützt. Nur auf Anfrage ist weitere Verwendung gestattet.

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