Geschichte des Klosters Walkenried

Im 2. Weltkrieg verbrannt und dennoch teilweise gerettet

Neuerscheinung zur Geschichte des Klosters Walkenried

(harz-aktuell) In der älteren Literatur zum Kloster Walkenried wird häufig eine handschriftliche Chronik des früheren Archivars in Celle JOHANN HEINRICH HOFMANN als Quelle angegeben, so vor allem von dem Chronisten LEUCKFELD, der in seinen Antiquitates Ilfeldenses nähere Angaben zur Person dieses HOFMANN macht:

Nur will ich einen einigen Mann, welche seine erstere Fundamenta in Closter Ilfeld, und hernach in Walckenried geleget, hier anführen, der durch seine schöne Gelehrsamkeit, und trefliche Historische Wissenschafft sich sehr bekant gemacht hat. Solches ist Johann Henrich Hofmann, der auf den Adelichen Hause zu Werna, Anno 1628 gebohren / und von seinem Vater, Johann Hoffmann, gewesenen Burgermeister in Elrich in seiner Jugend zur Ilfeldischen Stiffts=Schule, und ferner nach Northausen, und endlich nach Walckenried geschicket worden ist; nach gelegten Fundamenten zog er nacher Helmstädt und anderen Universitäten / und wurde darauff von Hertzog Christian Ludwigen zu Braunschweig und Lüneburg zum Secretario bestellet / und sonderlich zum Verschicken gebrauchet; Ferner wurde er Hoff Ambtmann zu Zelle / und erhielt dabey die Inspection über die zwölff Ambts=Voigteyen und Geld=Casse dieses Fürstenthums. Anno 1665 kam er nach Hannover / und wurde Lehns-Secretarius und Archivarius, auch endlich Cammer=Meister, welchen Bedienungen er treulich vorgestanden, und dabey das Studium Antiquitatis und der Historie sehr fleißig getrieben, so daß er davon viel herrliche Schrifften colligiret und auffgesetzet / und mit nöthigen Urkunden zulänglich versehen hat / davon aber keine zum Druck kommen, sondern sie sämtlich nach seinem Anno 1680 erfolgten Tode in das Hannöverische Archiv verwahrlich aufgenommen worden seyn.

Im Zweiten Weltkrieg kam es am 8./9. Oktober 1943 bei einem Luftangriff auf Hannover zu einem Brandbombentreffer auf das Landesarchiv. Durch diese Brandkatastrophe wurden rund 20 % der Bestände vernichtet, darunter sämtliche Handschriften wie HOFMANNS „Antiquitatum Walkenredensium libri” von 1661. Der Nordhäuser Historiker FRITZ KIRCHNER hat HOFMANNs Handschrift 1939 noch benutzt und nennt als Signatur R 57.

HOFMANNs Werk hat LEUCKFELD entscheidend zu dessen Antiquitates Walkenredenses angeregt. Dass er dafür HOFMANNs Ansichten der Kirchenruine und des Brunnens als Kupferstiche kopieren ließ, ist ein Indiz dafür, dass er das Original benutzt und ausgewertet hat. Eine leider unvollständige Kopie aus den Beständen des ehemaligen Thüringisch-Sächsischen Geschichtsvereins in der Universitätsbibliothek Halle ist erst jetzt bekanntgeworden.

Einige Abschnitte des Originals hat 1883 der Walkenrieder Domänenpächter GUSTAV SCHMID abgeschrieben. Ursprünglich im Besitz seines Sohnes Hans, kamen SCHMIDs umfangreiche Walkenrieder Kollektaneen – darunter auch die Abschriften aus der Hofmann-Chronik – später nach Braunschweig und schließlich in die Bibliothek des Niedersächsischen Landesamts für Denkmalpflege in Hannover.

Aus diesen drei Quellen sind die Texte aus der Chronik HOFMANNs zusammengestellt. Reproduktionen von vier Zeichnungen aus dem Original verdanken wir dem Kunsthistoriker KARL STEINACKER: Grundriss und Ansicht der Kirchenruine, eine Darstellung des Klosterbrunnens (nebst HOFMANNs zugehörigem Text) sowie eine schematische Skizze des Raphon-Altars, den HOFMANN als Walkenrieder Klosterschüler noch gesehen und später skizziert hatte. So sind diese Zeichnungen aus dem Original in den Publikationen STEINACKERs erhalten geblieben. Von einem ebenfalls in HOFMANNs Handschrift enthaltenen alten Kupferstich, des sogenannten „Püstrichs”, gibt es noch ein Exemplar in der Stadtbibliothek Lübeck.

Inhaltsübersicht zur Geschichte des Klosters Walkenried

5 Widmung an Herzog Christian Ludwig
6/7 I. Buch der Walkenriedischen Sachen und Altertümer
8 Kap. 1. Anlass für die Schrift, Gliederung und Schluss
9 Kap. 2. Walkenried gehörte ursprünglich zum Gebiet der Katten, es erscheint später bei den Franken
11 Kap. 3. Wie nach dem Abzug der Franken die Sachsen diese Wohnplätze übernehmen und aus welchem Grund, sowie über zwei Befestigungen oder Burgen der Sachsen
16 Kap. 4. Die Religion der alten Sachsen und ihre in diesem Gebiet verehrten Götzenbilder werden erörtert und die Art der ländlichen Rechtsprechung wird aufgezeigt
28 Kap. 5. Wann hier die wahre Religion angenommen wurde
31 Kap. 6. Der Ort des Klosters wird erkundet. Der Name Walkenried, Lage und Gebiet, und welche Grenzen es früher und heute hat.
36 Kap. 7 Der Anfang des Klosters und dessen Gründer
37 Kap. 8. Umstände der Stiftung und Gründung werden aufgezeigt
41 Kap. 9. Woher dem Kloster Kraft und Wachstum zukamen
42 Kap. 10. Kaiser Lothar überweist dem neuen Kloster zur Sicherung feste Gebietsgrenzen, das Jagdrecht in den angrenzenden Bergen und das
Gut Berbisleben
45 Kap. 11. Bemühungen der römischen Päpste Honorius und Innozenz um das neue Kloster
48 Kap. 12. Spenden der Alten, mit denen sie die Sache des Klosters sicherten
51 Kap. 13. Die Einweihung des Klosters53 II. Buch der Walkenriedischen Sachen und Altertümer
54 Kap. 1. Die Verlegung des Klosters und der Bau einer größeren Kirche
56 Kap. 2. Die Einweihung der neuen Kirche
58 Kap. 3. Die Verwüstung der größeren Kirche
60 Kap. 4. Kapellen im Kloster, deren Ursprung und die Einweihungen
65 Kap. 5. Weitere Walkenried unterstehende Klöster
75 Kap. 6. Andere Kirchen und Kapellen, die Walkenried unterstanden
89 Kap. 7. Behandelt Pfarrkirchen und Kapellen, die Walkenried auf dem Land unter sich hatte (unvollständig)
Kap. 8. Brüderschaften der Walkenrieder Kirche (fehlt)
Kap. 9. Berühmte Bestattungen, Jahrestage und Gedenkplätze der Walkenrieder Kirche (fehlt)
Kap. 10. Alte und neue Denkmäler im Kloster, wo über Reliquien, Verfluchungen, Bilder usw. gehandelt wird (fehlt)
97 Donationsbrief aus Kap. 10 nach LEUCKFELD
98 – 100 Auszüge von GUSTAV SCHMID aus dem II. Buch, Kap. 4 und 9 aus dem III. Buch (fehlt)
101 Der Raphon-Altar (Auszug von SCHMID)
102 Zum Neubau des Glockenturms 1597 (Auszug von SCHMID)
103 Das Walkenrieder Brunnenbecken (aus dem Original)
104 aus Kap. 2: Wechsel zu einem anderen Orden (nach LEUCKFELD) aus Kap. 7: Abtseid, Abtswahl (nach LEUCKFELD)
105 Quellentexte zu S. 19 f.: Der Püsterich
106 – 109 Abbildungen
109 Quellen und Schrifttum
110 – 111 Walkenrieder Urkunden in der Chronik von HOFMANN
111 Von HOFMANN zitierte Quellen

Das Heft erschien im Papierflieger Verlag, Clausthal-Zellerfeld: http://www.papierflieger-verlag.de/xhauptseite.html

Quelle: Pressemitteilung Harz-Verein für Geschichte und Altertumskunde vom 25.03.2020
Bildquelle: Aufnahme Detlef Tront

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