Regionale Ausstellung der Bundeswehr

Regionale Ausstellung zum Harzer Bundeswehrstandort im Kleinen Schloss eröffnet

(harz-aktuell) Jeder Blankenburger kennt die Feldwebel-Anton-Schmid-Kaserne der Bundeswehr im Regensteinmassiv. Aber was genau sind die Aufgaben der rund 200 Soldatinnen und Soldaten des hier stationierten Versorgungs- und Instandsetzungszentrums Sanitätsmaterial Blankenburg (VersInstZ SanMat)? Die Antworten auf diese Frage liefert eine Ausstellung im Kleinen Schloss, die Bürgermeister Heiko Breithaupt gemeinsam mit Dr. Peter Tauber, Parlamentarischer Staatssekretär bei der Bundesministerin für Verteidigung, kürzlich eröffnet hat.

In seiner Begrüßung hob der Bürgermeister die Bedeutung des einzigen Harzer Bundeswehrstandortes für die Blütenstadt hervor. Die Soldatinnen und Soldaten sind ein fester und anerkannter Teil Blankenburgs, zwischen der Stadt und der Bundeswehr gibt es eine hervorragende Zusammenarbeit. „Besonders bei Katastrophenfällen, wie Hochwasser oder der Explosion im Regenstein, können wir uns auf die schnelle und effektive Hilfe unserer Bundeswehr verlassen“, so der Bürgermeister.

Das VersInstZ SanMat Blankenburg hat den Status einer Apotheke und versorgt rund ein Drittel der Bundeswehr mit Sanitätsmaterial, auch bei Einsätzen im Ausland. Neben der unterirdischen Apotheke befindet sich in der 33 000m² großen Anlage ein Nachschubzug und die Medizingeräteinstandsetzung. Darüber hinaus werden Notfallpakete, also Einsatzvorräte an Sanitätsmaterial, zur schnellen Auslieferung vorgehalten. Diese Notfallpakete werden auch bei Einsätzen im Rahmen der Katastrophenhilfe und der humanitären Hilfe benötigt.

Da Zivilisten in der Regel keinen Zutritt in die Anlage erhalten, soll die Ausstellung einen anschaulichen Einblick in das breite Aufgabenspektrum ermöglichen. „Wir wollen den Menschen hier, die Aufgaben ihrer Soldatinnen und Soldaten in der Region näherbringen“, erklärte Dr. Peter Tauber bei der Eröffnung. Für den Bundestagsabgeordneten sind die Regionalausstellungen der Bundeswehr eine ausgezeichnete Möglichkeit der Bevölkerung die Vielseitigkeit und Bedeutung der Deutschen Bundeswehr zu zeigen. „Die Feldwebel-Anton-Schmidt-Kaserne ist ein Juwel der Bundeswehr, mit der Ausstellung können wir den Dienstalltag unserer Soldatinnen und Soldaten für die Blankenburger transparent machen.“

Vor der offiziellen Eröffnung bat der Bürgermeister, Dr. Peter Tauber um einen Eintrag in das Ehrenbuch der Stadt. Dieser bedankte sich für diese Anerkennung und überreichte dem Bürgermeister anlässlich seines Besuches in der Blütenstadt, die Medaille der Bundesministerin für Verteidigung.

Anschließend besichtigten sie, gemeinsam mit Oberfeldapotheker Marco Haupt, die Ausstellung, deren Vorbereitung zwei Jahre gedauert hat. Besucher können unter anderem auf einer virtuellen Jeep-Tour mittels VR-Brille, die unterirdischen Lager erkunden. In zahlreichen Videos, Tonaufnahmen und Schautafeln wird die tägliche Arbeit in der Feldwebel-Anton-Schmid-Kaserne anschaulich dargestellt. Die Ausstellung wird in den nächsten fünf Jahren im Kleinen Schloss zu sehen sein und kann während der Öffnungszeiten der Blankenburger Touristinformation besichtigt werden.

Hinweis: Während Hochzeiten oder anderen Veranstaltungen ist keine Besichtigung möglich. Weitere Informationen gibt die Touristinfo unter Telefon 03944 36226-0.

Quelle und Bildquelle: Pressemitteilung Stadt Blankenburg (Harz) vom 04.03.2020

Zur Geschichte der Untertageanlage im Regenstein

Schäffer & Budenberg aus Magdeburg mit Untertageproduktion im Harz

Gegen Ende des Krieges gab es von Seiten des NS-Regimes Bestrebungen, weite Teile der Rüstungsindustrie unter die Erde zu verbringen. Der Harz bot dafür hervorragende Voraussetzungen, wie die Verlagerung der Raketenproduktion in den Kohnstein bei Nordhausen unter Beweis stellte. Nach diesem Beispiel waren zahlreiche weitere Untertagebetriebe in Planung, teils auch im Bau. So auch im Regenstein bei Blankenburg. Seit Mitte 1943 war der Magdeburger Rüstungsbetrieb Schäffer & Budenberg vermehrt Ziel alliierter Luftangriffe, so auch in der Nacht vom 21. auf den 22. Januar 1944. Einbrüche in der Produktion für die Kriegsmarine, insbesondere bei Torpedos, waren die Folge. Von noch größerer Bedeutung dürften Ausfälle in der Belieferung des Raketen-Produktionstätte im Kohnstein (auch Mittelwerk genannt) gewesen sein, denn Schäffer & Budenberg stellte etwa 80 % der Sonderventile für die Rakete her. Außerdem sollen Manometer für die A4-Rakete in Magdeburg gefertigt worden sein. Zur Sicherung dieser „kriegswichtigen“ Versorgung stand seit Frühjahr 1944 die Verlagerung des Werkes oder von Teilen auf der Tagesordnung.

Mehrere Standorte im Harz für die Herstellung von Torpedos in Diskussion

Ende Januar 1944 meldete sich die Marineabteilung des Rüstungskommandos Magdeburg bei den Bergämtern Magdeburg, Goslar und Braunschweig, um in Erfahrung zu bringen, ob und in welchem Umfang die Möglichkeit einer Verlegung von Abteilungen des Torpedolieferanten unter Tage bestünde. Vor allem das Bergamt Goslar sah gute Möglichkeiten, im Harzvorland um Halberstadt die erforderlichen unterirdischen Räume zu schaffen. Daraufhin fand am 3. März 1944 eine Besichtigungsfahrt in der Region Halberstadt, Blankenburg und Quedlinburg mit Vertretern einiger Magdeburger Rüstungsfirmen und des Rüstungskommandos statt, an der der Harzgeologe Prof. Dahlgrün vom Reichsamt für Bodenforschung teilnahm. Das Kriegstagebuch des Rüstungskommandos verzeichnet, dass die Firmen Krupp Grusonwerk sowie Schäffer & Budenberg noch am selben Tag gefordert hatten, „schnellstens und intensiv an die Schaffung von derartigen unterirdischen Räumen im Kalksandsteingebiet des Hoppelberges und des Regensteins heranzugehen“. Zunächst war beabsichtigt, Schäffer & Budenberg das Gelände um Langenstein zuzuweisen, doch darauf erhob Junkers für sein Großserienwerk Anspruch.

Schäffer & Budenberg kontra Junkers

Der Flugzeugkonzern hatte in dieser Phase des Krieges das größere Gewicht, Schäffer & Budenberg das Nachsehen. Zum Ausgleich bekam die Firma das Kalksandsteinmassiv unter dem Regenstein bei Blankenburg zugeteilt. Im Endausbau sollte ein unterirdisches Stollensystem von 70.000 qm entstehen. Das Verlagerungsvorhaben trug den Decknamen „Turmalin“. Vorbild für die schachbrettartig geplante Anlage war offenbar das im März 1944 begonnene Projekt „Anhydrit“ im Himmelberg bei Woffleben. Im Unterschied dazu entstand das Bauvorhaben im Regenstein allerdings nicht unter SS-Ägide, sondern war ein Projekt der Organisation Todt, der Bauorganisation des Reichsministers für Rüstung und Kriegsproduktion. Die Baumaßnahmen begannen im Juni 1944; federführend waren die Großdeutsche Schachtbau- und Tiefbohr GmbH und die Nordhäuser Schmidt, Kranz & Co.; weitere baubeteiligte Firmen waren Karl Brandt, August Kalbow, Siemens und Adriani.

Deckname Odawerk

Am 15. August 1944 informierte der Produktionsbetrieb den Amtsvorsteher der Reichspostnebenstelle in Blankenburg über den Stand der Dinge. Auf Grundlage eines Verlagerungsbescheides des Reichsministers für Rüstung und Kriegsproduktion würden „größere Teile eines Magdeburger Industriewerkes unterirdisch in die Nähe von Blankenburg verlegt“. Der im Aufbau befindliche Verlagerungsbetrieb trage die Firmenbezeichnung Odawerk. Den Unterlagen der Stadt Blankenburg ist zu entnehmen, dass die Leitung des Bauvorhabens wieder Baurat Dr. Dach, dem Baubevollmächtigten im Bezirk der Rüstungsinspektion 11b, Abteilung Sonderbauten, oblag und eine Teilinbetriebnahme für Ende 1944 geplant war; dafür würden 2.000 Personen aus Magdeburg abgezogen. Bei voller Belegung rechnete Schäffer & Budenberg mit einer Belegschaft von 3.500 Personen.

Untertageanlage bis Kriegsende nur teilweise realisiert

Allerdings waren diese Pläne jenseits der Realität der letzten Kriegsmonate. Bis Kriegsende war lediglich ein Viertel der geplanten Stollenfläche ausgebrochen, etwa 18.000 qm, die teilweise nur im Rohzustand bestand. In einem abgegrenzten Bereich nahmen die Odawerke allerdings mit 150 Mitarbeitern die Herstellung von „kleinen, nicht identifizierten Bauteilen“ auf. Als die Alliierten Ende April/Anfang Mai 1945 die Anlage inspizierten, entdeckten sie in einigen der für die Produktion vorgesehenen Stollen ein Lager mit Farben, Werkzeugmaschinen und Arbeitsgerät, ferner eine Schmiede und eine Reparaturwerkstatt. Das Stollensystem wurde nach 1945 für verschiedene Zwecke genutzt, bis die NVA es 1976 zum Munitionslager ausbaute. Heute befindet sich in den Stollen eines der sieben Sanitätsdepots der Bundeswehr.

Kz-Außenkommando “Turmalin”

Auf der Baustelle der Odawerke waren Anfang 1945 etwa 1.500 bis 2.000 Personen beschäftigt. Allein die bauausführende Firma Brandt bot laut CIOS-Bericht 50 bis 60 Bergleute, 260 deutsche Zivil- und 290 ausländische Arbeitskräfte auf; darunter 22 Strafgefangene der Haftanstalt Wolfenbüttel. Noch in der Situation des März 1945 waren auf der Baustelle im Regenstein 485 deutsche, 315 ausländische Arbeiter sowie 400 Häftlinge des eigens eingerichteten KZ-Außenkommandos „Turmalin“ beschäftigt. Überwiegend waren diese Zwangsarbeiter rassisch Verfolgte aus dem Auschwitzer Außenlager „Fürstengrube“, Überlebende des Transportes, mit dem im Januar 1945 die knapp 1.300 Häftlinge über Gleiwitz und Mauthausen nach „Dora“ evakuiert worden waren. Anfang Februar 1945, eine Woche nach der Ankunft in Dora, wurden etwa 300 dieser Überlebenden nach Blankenburg verlegt; es kommandierte sie weiterhin der Lagerführer in Fürstengrube, SS-Oberscharführer Max Schmidt. Der Weitertransport per Bahn soll zwei Tage gedauert haben. Offenbar brachte die Organisation Todt die Häftlinge zunächst provisorisch in einem zuvor von der genutzten Gebäudekomplex auf dem Lessingplatz unter.

Erinnerungen des Lagerältesten Hermann Joseph

In seinen bislang unveröffentlichten Lagermemoiren schreibt der Lagerälteste Hermann Joseph: „Gegen Abend kamen wir im Lager Turmalin an, das inmitten eines hochstämmigen Föhrenwaldes lag. Gleich danebenlag ein schrecklich verwahrlostes Barackenlager für kriegsgefangene russische Offiziere, die in ihren langen Militärmänteln durch den Dreck schlurften, stumm und bleich vor Hunger, kraftlos torkelnd, blind vor allem, was sich vor ihrem Stacheldrahtzaun abspielte“. Vermutlich handelte es sich um die Russen, die in der Gießerei der Bergbau AG Lothringen zwangsarbeiteten. Joseph beschreibt weiter: „Das Lager Turmalin bestand aus einem gemauerten, hellverputzten doppelgeschossigen Haus mit zwei großen Schlafsäalen und mehreren kleinen Zimmern. In einem erdgeschossigen Bau danebenlagen Küche und Speisesaal. Der Gebäudekomplex, der früher den Arbeitskolonnen der Organisation Todt als Unterkunft gedient hatte, war nicht umzäunt. Zweistöckige Metallbetten mit noch gefüllten Strohsäcken standen in den Schlafsälen, Decken lagen herum, es gab Wasserklosetts und einen viel zu kleinen Waschraum, keine Bäder.“

Als erstes mussten die Häftlinge am Tage nach ihrer Ankunft einen Stacheldrahtzaun, „fünfsträngig, zwei Meter hoch, von Kiefer zu Kiefer um den Lagerbereich“ ziehen. Es wurde ein etwa fünfzigköpfiges Kommando gebildet, das in den kommenden Wochen ein komplettes Häftlingslager errichten musste, sicher nicht nur zur eigenen Unterbringung. Das Gros des Transports jedoch arbeitete im Stollenvortrieb. Wahrscheinlich hatte das ehemalige OT-Lager Lessingplatz vorher der Unterbringung auch westeuropäischer Zwangsarbeiter gedient. Denn der Belgier Hermann E., ebenfalls im Tunnelbau, gab im März 1952 zu Protokoll, er wäre im Lager der Firma Karl Brandt untergebracht gewesen. Dort habe er beobachtet, dass drei Wochen nach seiner Ankunft die Häftlinge in ihren „blau weiß gestreiften Uniformen“ eintrafen. Er spricht davon, dass – anders als vom Lagerältesten Joseph ausgeführt – man die KZ-Zwangsarbeiter zunächst provisorisch in einigen Baracken seines Lagers untergebracht habe, „Die Personen mussten innerhalb des Lagers selbst Baracken aus Beton bauen. Als diese fertig waren, wurden sie darin untergebracht. Es mögen etwa 15 bis 20 Baracken gewesen sein“.

Hermann E. ergänzt die Angaben Josephs: „Diese Betonbaracken waren gesondert mit einem etwa 3 m hohen Stacheldrahtzaun umgeben, der abends sogar unter Strom gesetzt wurde. Vier Wachtürme waren für diesen Bereich vorgesehen. Ich kann nicht genau sagen, wann die Verlegung dieser Personen in blauweißer Uniform von den Holz- in die Betonbaracken stattfand“. Das Lager war für 400 Insassen überdimensioniert. Entweder lag die Zahl der KZ-Häftlinge doch höher oder die Unterkünfte sollten später für weiteres Werkspersonal genutzt werden. Noch im Februar kam der Stollenausbruch wegen Materialmangel nahezu zum Stillstand; vor allem Kohle zur Erzeugung von Dampf und Pressluft fehlte. Um den 3. oder 4. April 1945 erhielt der Lagerführer Schmidt den Befehl aus „Dora“, das Außenkommando „Turmalin“ zu räumen. Der Weg ihres Zuges kreuzte sich mit dem der Häftlinge des zweiten Blankenburger Lagers, der „Klosterwerke“.

Quelle: Redaktionsbeitrag, Frank Baranowski

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