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Die Wernigeröder Rautal-Werke – eine Geschichte keiner gewöhnlichen Firma

  • Galgenberg Barackenlager Rautal-Werke
    Barckenlager der Rautal-Werke am Galgenberg
(harz-aktuell)

Der Flugzeugbauer Rautal-Werke in Wernigerode

Die Wernigeröder Rautal-Werke – eine Geschichte keiner gewöhnlichen Firma. Die Leichtmetallwerke Rudolf Rautenbach GmbH Wernigerode, eine Tochtergesellschaft der Solinger Rudolf Rautenbach GmbH, war seit 1934 für die Luftwaffe tätig. Hauptabnehmer ihrer Gussteile für Zylinder- und Motorengehäuse waren die Junkers-Werke Dessau, im Krieg auch das Volkswagenwerk in Wolfsburg. Um die sprunghaft ansteigenden Aufträge zu erledigen, gründete der Konzern 1937 eine eigene Firma, die Rautal-Werke GmbH und stampfte direkt neben seinem bestehenden Industriekomplex ein neues Werk aus dem Boden. Anfang 1941 wurde es auf Anweisung des Reichsluftfahrtministeriums (RLM) mit einem Finanzierungsaufwand von über 17 Millionen RM, davon fünf Millionen an unwiederbringlichen Zuschüssen, zur modernsten Leichtmetallgießerei des Deutschen Reiches ausgebaut. Mit der Entscheidung für die Betriebserweiterung entstand im Mai 1941 neben der Baustelle ein Arbeitslager am Veckenstedter Weg 23 für zunächst 300 Fremd- und Zwangsarbeiter aus Flandern und Nordfrankreich; im Oktober 1944 waren sie dort schon 550 bis 600 ausländische Rautal-Arbeiter.

Zwangsarbeit für Flugmotoren-Gussteile

Der Luftkrieg war zu einer Materialschlacht geworden, in der die Nachfrage nach Flugmotoren-Gussteilen weiter stieg. Arthur Rautenbach forderte weitere Arbeitssklaven an, errichtete für sie im näheren Umkreis seiner Fabrik, am Galgen- und am Ziegenberg, Barackenlager. Allein am Ziegenberg waren es mehr als 30 Baracken, in denen zumeist russische und polnische Zwangsarbeiter untergebracht waren. Eine Bestandliste vom November 1944 legt nahe, dass die Russen wegen ihrer großen Zahl nach Herkunftsorten zusammengelegt wurden. Als Poltawa, Charkow, Krasnodar, Kiew, Odessa, Smolensk und Rostow wurden die Baracken geführt. Eine Baracke gab es auch für Ost-Ehepaare; ihr war eine Kantine angeschlossen. Die in der Literatur genannte Zahl von mehr als 5.000 Zwangsarbeitern dürfte aber zu hoch angesetzt sein; möglicherweise liegt eine Verwechselung mit der Zahl sämtlicher Beschäftigter der Rautal-Werke – Ende Januar 1944 etwas mehr als 5.600 – vor. Im März 1943 wurde das Fremdarbeiterlager am Veckenstedter Weg, direkt neben den Rautal-Werken, zum Buchenwald-Außenlager umfirmiert. 95 Häftlinge eines Vorauskommandos erweiterten es ab dem 25. März 1943 und richteten es als KZ her. Schon im September 1943 waren in diesem KZ-Außenlager „Richard“ 639 KZ-Häftlinge untergebracht, Anfang 1944 über 800, der Höchststand.1424 Für Rautenbachs KZ-Zwangsarbeiter, die vorwiegend in der Gießerei, der Entkernerei und der Magnesiumhalle eingesetzt waren, stellte die SS ihm für September und Oktober 1944 als monatliche „Lohnsumme“ 100.000 RM in Rechnung.

Die miserablen Arbeitsbedingungen bei Rautal

Die Arbeit bei Rautal überforderte nicht nur die Kräfte der Häftlinge, offenbar waren sie auch schutzlos größten Gefahren am Arbeitsplatz ausgesetzt. Ein Schreiben des Buchenwalder Lagerarztes vom 23. Juni 1943 hält fest, dass die Zahl der ärztlichen Behandlungen um ein Vielfaches über den vergleichbarer Außenkommandos lag. Das Stammlager bat um Erläuterung, woraus sich die „hohe Zahl der Wunden aller Art [. . . ] und der Fremdkörper im Auge, aber auch der Furunkel und Hautausschläge“ ergebe, und welcher Art die unzähligen Unfälle seien. Allein im Berichtszeitraum vom 20. bis 26. Juni 1943 wies der Wernigeröder Häftlings-Krankenbau 537 Behandlungen aus, darunter 126 Schnitt-, Riss- und Schürfwunden, gefolgt von 17 Fremdkörpern im Auge, 48 Brandwunden und zehn unfallbedingten Hämatomen. In der darauffolgenden Woche sah es mit 402 Verletzungen nicht viel anders aus. Erst mit Schreiben vom 20. Juli 1943 beantwortete das Außenkommando die Anfrage der Buchenwalder Krankenstation vom Juni. Die Verletzungen seien dadurch bedingt, „dass das [. . . ] im Werk verarbeitete Metall sehr entzündungsfördernd“ sei. Auch kleinste Wunden seien schon nach einem Tag stark infiziert und entzündet und machten eine längere ambulante Behandlung erforderlich. Nicht alle Häftlinge des KZ-Außenkommandos „Richard“ waren im Rautal-Werk selbst tätig, ein Teil baute ein auf 5.000 qm ausgelegtes unterirdisches Stollensystem im ‚Galgenberg‘ aus, das unter dem Decknamen „Mergel“ lief. Dort wollten die Rautal-Werke kriegswichtige Produktionszweige vor Luftangriffen geschützt unterbringen. Obwohl dem Rüstungsbetrieb als Zulieferer des Jägerprogramms eine tragende Rolle in der Luftrüstung zukam, löste die SS das Rautal-Außenkommando „Richard“ Ende 1944 aus bislang ungeklärten Gründen auf. Möglicherweise besteht ein Zusammenhang mit dem Stocken oder einer Einstellung der Stollenarbeiten im Galgenberg. Ein Teil der Lagerinsassen verstärkte die Junkers-Werke in Westeregeln und Schönebeck.

Verlegung der Häftlinge in die ‘Steinerne Renne’ bei Hasserode

Das Gros der Rautal-Häftlinge, 500 insgesamt, ließ die SS in das neu gegründete Außenlager in der zum Wernigeroder Ortsteil Hasserode gehörenden Steineren Renne verlegen. Anforderungslisten bei der Buchenwalder Registratur deuten darauf hin, dass diese Insassen des aufgelösten KZ-Außenkommandos „Richard“ ab Ende November 1944 in den Wernigwerken eingesetzt waren. Unter diesem Decknamen hatte sich ein weiterer Junkers-Zulieferer in den Gebäuden der Firma Roter Harzer Granit in der Steinernen Renne niedergelassen. Die KZ-Häftlinge mussten dort die Infrastruktur ihrer eigenen ‚lagermäßigen Unterbringung‘ errichten und die von Junkers angepachteten Fabrikhallen für die Verlagerung des Flugmotoren-Vorrichtungsbaus aus Magdeburg einrichten. Für ihren Arbeitseinsatz berechnete Buchenwald den Wernigwerken im November 1.374 RM und im Dezember 20.500 RM.1432 Am 23. Dezember 1944 teilte das Werningeröder Arbeitslager dem Buchenwalder Arbeitseinsatzführer abschließend mit, dass weitere 263 Gußarbeiter als Facharbeiter „abgesetzt“ wurden, da „dieselben ab 23. Dezember 1944 vorläufig als Hilfsarbeiter von den Wernig-Werken, Hasserode, übernommen wurden“.1433 Damit war das KZ-Außenkommando „Richard“ aufgelöst, die geräumten Baracken nutzten die Rautal-Werke wieder wie zuvor als Lager für ihre ausländischen Zwangsarbeiter.

Quelle: Frank Baranowski
Bildquelle: Redaktion, Frank Baranowski

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