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Borkenkäfer im Harz sorgt für spannende und sachliche Diskussion

Borkenkäfer im Harz sorgt für spannende und sachliche Diskussion

(harz-aktuell) Borkenkäfer im Harz sorgt für spannende und sachliche Diskussion. Rund 120 Gäste folgten der Einladung des Harzklubs zur Infoveranstaltung auf Torfhaus.

“Nationalpark Harz – Was macht der Borkenkäfer mit unserem Wald?” ‒ zu diesem Thema hatte der Harzklub am Dienstag, 25. September 2018, auf Torfhaus eingeladen. Deutlich mehr als hundert Gäste waren gekommen, um zuzuhören und mitzudiskutieren. Das Publikum war sehr gemischt ‒ überwiegend Mitglieder aus den Harzklub-Zweigvereinen, aber auch Vertreter/innen aus den Bereichen Gastronomie, Tourismus, Welterbe, Nationalpark, Forst oder Privatwald waren gekommen ‒ gute Voraussetzungen also für einen spannenden Abend.

Die Sorge um die Fichtenwälder und die massenhafte Vermehrung des Borkenkäfers treibt die Menschen im Harz um und führt zu teils heftigen Kontroversen. Um die Debatte zu versachlichen und dem Informationsbedürfnis seiner Mitglieder nachzukommen, lud der Harzklub e.V. seine Zweigvereine zu dieser Podiumsdiskussion ein. Gäste auf dem Podium waren zwei ausgewiesene Waldexperten mit deutlich unterschiedlichem Blick auf den Borkenkäfer: Andreas Pusch, Leiter Nationalpark Harz und Karsten Peiffer, ehemaliger Leiter des Niedersächsischen Forstamts Clausthal. Moderiert wurde die Diskussion von Andreas Rietschel, Ex-Chefredakteur der Goslarschen Zeitung. Der Präsident des Harzklubs e.V., Dr. Oliver Junk, eröffnete den Abend mit dem – erfolgreichen – Appell an alle Anwesenden, in dieser Debatte respektvoll miteinander umzugehen. “Schließlich lieben wir alle den Wald und sind deshalb ja keine Gegner!”, so Dr. Junk.

Auf die Frage des Abends “Was macht der Borkenkäfer mit unserem Wald?” bekam der Moderator erwartungsgemäß unterschiedliche Antworten von den beiden Fachleuten. Nationalparkleiter Pusch beschrieb den Borkenkäfer als „Helfer“ beim Umbau der naturfernen, von Menschenhand gepflanzten Wälder hin zur neuen Waldwildnis. Der pensionierte Forstamtsleiter Peiffer hingegen betonte den wirtschaftlichen Aspekt: „Hier geht es um wirtschaftlichen Schaden, weil innerhalb kurzer Zeit große Schadholzmengen anfallen und die Waldbesitzer viel Geld für Neuaufforstungen in die Hand nehmen müssen“. Derlei Schäden seien im Nationalpark Harz ohne Bedeutung, da das Holz hier ja nicht wirtschaftlich genutzt werde. Pusch argumentierte mit der ökologischen Bedeutung des Borkenkäfers im Naturkreislauf: „Borkenkäfer sind Bestandteil des Waldökosystems. Wo es Fichten gibt, leben Borkenkäfer und langfristig gestalten sie die Fichtenwälder großflächig um“.

Moderator Rietschel fragte nach, wie viele alte Fichten im Nationalpark eigentlich aktuell von Borkenkäfern befallen seien. Andreas Pusch bemaß die Fläche mit rund 2.500 Hektar, also etwa zehn Prozent der Gesamtfläche des Schutzgebiets. In den bewirtschafteten Wäldern der Niedersächsischen Landesforsten rechnete Peiffer für das Forstamt Clausthal allein mit 50.000 Kubikmetern Holz, welches wegen des Käferbefalls zwangsweise geerntet wurde.

Beide Fachleute unterstrichen die extremen Rahmenbedingungen, die in diesem Jahr zur explosionsartigen Vermehrung des Borkenkäfers beigetragen hätten: Der Januarsturm Friederike hinterließ großflächige Verwüstungen in den Wäldern Südniedersachsens und noch immer brüten Käfer in umgeworfenen Stämmen, die über ihre Wurzeln mit dem Boden verbunden sind. Der extrem heiße und niederschlagsarme Sommer habe die Fichten zusätzlich geschwächt und die Entwicklung der wärmeliebenden Insekten begünstigt. „Nicht nur im Harz sondern in ganz Deutschland und in weiten Teilen Mitteleuropas hat die Trockenheit den Borkenkäfer beflügelt“, beschrieb Pusch die außergewöhnliche Lage. Noch etwas eint die beiden Experten: Das Ziel, Schäden durch vom Nationalpark in die Wirtschaftswälder “überdriftende” Käfer an der Grenze beider Wälder zu vermeiden. „Der so genannte Sicherungsstreifen, der auch als Pufferzone bezeichnet wird, soll das verhindern“, so Pusch. Auch Peiffer lobte den Wissensaustausch und die gute Zusammenarbeit zwischen Nationalpark und Landesforsten über diese Grenze hinaus.

Moderator Rietschel sorgte dafür, dass die Debatte auch aus dem Publikum heraus bereichert wurde ‒ zwei Publikumsrunden sowie zuvor eingereichte Fragen aus den Harzklub-Zweigvereinen wurden von den Fachleuten gern beantwortet. So wurde zum Beispiel gefragt, ob der Anblick abgestorbener Fichten die Touristen im Harz nicht abschrecken würde. Pusch beantwortete dieses klar mit dem Hinweis auf die stetig steigenden Besucherzahlen im Harz. “Kann man die toten Bäume nicht einfach umhauen?”, wollte ein Gastronom wissen. Das sei mit dem Schutzgedanken eines Nationalparks nicht vereinbar, erklärte Andreas Pusch: „Gerade das stehende Totholz ist wertvoll für Tier- und Pflanzenarten und nicht vergleichbar mit liegendem Holz“. Auf die Sorge eines Zuhörers vor der Waldbrandgefahr im Nationalpark antwortete Pusch: „Die liegenden Stämme enthalten einen höheren Wasseranteil und auch das stehende Totholz fängt nur schwer an zu brennen. Das konnten wir bei einem Bodenfeuer im Nationalpark beobachten“. Die zahlreichen Wortmeldungen und Redebeiträge aus dem Publikum zeigten, dass das Thema Borkenkäfer die Menschen im Harz sicher noch länger beschäftigen wird.

In ihren Abschlussworten wünschten sich beide Forstleute, den kollegialen Umgang miteinander fortzusetzen und für die Sorgen der Bevölkerung um unseren Wald ein offenes Ohr zu haben. Karsten Peiffer als leidenschaftlicher Forstmann plädierte für die nachhaltige Nutzung der heimischen Wälder mit dem Selbstbekenntnis: „Ich bin ein Baum-ab-ja-bitte-Typ!“. Wohingegen Nationalparkleiter Andreas Pusch auf stehendes Totholz steht und um Verständnis dafür warb, dass Prozesse in der Natur sehr langsam abliefen, die entstehende Naturschönheit des Nationalparks aber vielerorts bereits zu entdecken sei.

Harzklub-Präsident Dr. Oliver Junk dankte den Referenten für ihre spannenden und für ihn auch neuen Einblicke in den Wald, dem Moderator Andreas Rietschel für das sichere Geleit durch das spannungsreiche Thema und dem Publikum für die engagierte Teilnahme. Dr. Junk schloss den Abend mit den einenden Worten: “Ich freue mich, dass wir hier heute tatsächlich sehr respektvoll miteinander umgegangen sind. Der Harz ist unser aller Lebensraum ‒ lassen wir uns deshalb alle miteinander künftig von dem Bewusstsein für diese Gemeinsamkeit leiten!“

Kontakt:
Harzklub-Geschäftsstelle
Am Alten Bahnhof 5a, 38678 Clausthal-Zellerfeld
Tel. 05323/81758, Fax 05323/81221
e-mail: info@harzklub.de

Quelle: Pressemitteilung Harzclub vom 27.09.2018.
Bildquelle: Harzclub.

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